Herkunft der Tierhäute

Erfahre, woher das Leder kommt, das wir verwenden, und was das konkret für dich und die Umwelt bedeutet.

Leder als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie

Bei Gusti Leder sind wir uns bewusst, dass die Verwendung von Leder ethische Fragen aufwirft. Deshalb haben wir uns entschieden, die Herkunft unserer Rohstoffe transparent zu erläutern. Wir verwenden Rinder-, Ziegen- und Büffelleder. Das Leder, das wir verwenden, stammt nicht von Tieren, die für ihre Haut gezüchtet oder geschlachtet werden – es handelt sich ausschließlich um ein Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie.

Der Fleischkonsum bringt die Schlachtung von Tieren mit sich – in Indien ebenso wie in Europa. In diesem Zusammenhang gehört die Haut zu den Reststoffen, die nach der Verarbeitung des Tieres anfallen. Ohne Weiterverwendung würde sie in der Regel als Abfall behandelt und entsorgt werden. Indem wir sie zu langlebigen Produkten verarbeiten, tragen wir dazu bei, eine bereits vorhandene Ressource zu nutzen, anstatt zusätzliche Produktion zu fördern.

Eine ausgewachsene Kuh wiegt durchschnittlich zwischen 500 und 900 kg. Je nach Rasse, Alter und Haltungsbedingungen entfallen etwa 50 bis 70% ihres Gewichts auf das für die Ernährung bestimmte Fleisch. Der Rest besteht aus Knochen, Fett, Organen und Haut. Die Haut ist somit ein Nebenprodukt, das aus dieser Produktionskette hervorgeht.

Für unsere Taschen und Accessoires nutzen wir diese Häute im Sinne einer ganzheitlichen Verwertung. Sie erhalten ein zweites Leben durch handwerkliche Verarbeitung, die sie in langlebige Objekte verwandelt, die viele Jahre genutzt werden können. Dieser Ansatz ist Teil einer bewussten Nutzung bereits vorhandener Ressourcen. Wir unterstützen auch einen bewussteren Konsum: weniger kaufen, aber besser – und Produkte bevorzugen, die auf Langlebigkeit ausgelegt sind. In diesem Sinne erscheint uns die Verwendung eines Materials, das bereits aus der Lebensmittelindustrie stammt, sinnvoller, als diese Ressource ungenutzt zu lassen.

Fleischkonsum in Indien: eine wenig bekannte Realität  

Indien wird in Europa häufig als überwiegend vegetarisches Land wahrgenommen. Dieses Bild beruht größtenteils auf der gängigen Verbindung zwischen dem Hinduismus und einer fleischlosen Ernährung. Doch die Realität ist weitaus differenzierter. Die Ernährungsgewohnheiten variieren stark je nach Region, Religion, Familientradition und Lebensstandard, und der Fleischkonsum ist heute weit verbreitet.

Laut Studien zu Ernährungsgewohnheiten in Indien konsumieren rund 77% der Bevölkerung (15–49 Jahre) Fleisch, Fisch oder Eier – was zeigt, dass strenger Vegetarismus nur eine Minderheit der Bevölkerung betrifft (etwa 20%). Dieser Anteil ist besonders hoch im Süden und Osten des Landes sowie in mehreren nordöstlichen Bundesstaaten, wo mehr als 90% der Bevölkerung angeben, Fleisch zu essen. Die Ernährungspraktiken unterscheiden sich also erheblich von Region zu Region.

Diese Entwicklung wird durch die Urbanisierung, den steigenden Lebensstandard und die kulturelle Vielfalt des Landes vorangetrieben. In vielen Regionen wird der Fleischkonsum zunehmend mit höherer Kaufkraft und einer abwechslungsreicheren Ernährung in Verbindung gebracht, auch bei jüngeren Generationen in einigen traditionell vegetarisch lebenden Hindu-Familien. Indien beherbergt zudem eine der weltweit größten muslimischen Bevölkerungsgruppen sowie bedeutende christliche, sikhistische und andere Gemeinschaften, von denen viele traditionell Fleisch verzehren. Infolgedessen ist die Binnennachfrage stetig gewachsen, was Indien zu einem der weltweit größten Rindfleischproduzenten gemacht hat. Ein erheblicher Teil dieser Produktion wird exportiert, insbesondere in den Nahen Osten, während die in der Lederherstellung verwendeten Häute als Nebenprodukte dieser bestehenden Lebensmittelindustrie verwertet werden.

Wo finden die Schlachtungen statt? 

Indien gehört heute zu den größten Rindfleischproduzenten der Welt. Zum Vergleich: In der EU werden jährlich etwa 8 Millionen Tonnen Rindfleisch produziert, in Indien etwa 4,5 Millionen Tonnen.

Die meisten Schlachthöfe Indiens befinden sich im Süden (Chennai) und im Norden des Landes (Uttar Pradesh und Kalkutta). Von dort stammt der Großteil des Fleisches, das nach Katar und Saudi-Arabien exportiert wird. Die Tiere werden nach religiösen Vorschriften geschlachtet – überwiegend nach islamischen (halal) oder hinduistischen (jhatka) Regeln. Beide Methoden sind darauf ausgelegt, dem Tier schnell und gezielt das Leben zu nehmen, um unnötiges Leiden zu vermeiden.

Vom Nebenprodukt zur Handwerkskunst: das Engagement von Gusti Leder

Die Rückgewinnung einer vorhandenen Ressource ist ein erster Schritt, doch entscheidend ist, was man daraus macht. Gusti Leder arbeitet mit kleinen Familienbetrieben und lokalen Gerbereien in Indien, Pakistan und Italien zusammen, deren Werkstätten wir unangekündigt besuchen und überprüfen, um sicherzustellen, dass die in unseren Verträgen festgelegten Bedingungen eingehalten werden.

Im Gegensatz zu veganem Leder, das meist aus Kunststoff auf Erdölbasis (PU oder PVC) hergestellt wird, ist unser Leder ein zu 100% biologisches Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie. Die Nutzung einer bereits vorhandenen Ressource ist weitaus umweltverträglicher als die Herstellung eines völlig neuen synthetischen Materials von Grund auf. 

Bei richtiger Pflege hält es Jahrzehnte; eine Gusti-Tasche ist eine Anschaffung fürs Leben. Das ist echte Nachhaltigkeit, und unsere Zertifizierungen belegen dies.

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